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Arbeitsgemeinschaft „Historische Nahverkehrsmittel Leipzig“ e. V.
Die Leipziger Fahrzeugsammlung
Unsere Fahrzeugsammlung umfasst historische Straßenbahnwagen und schienengebundene Sonderfahrzeuge der Ersteinsatzjahre ab 1896 bis zu den Nachwendejahren. Außerdem komplettieren Kraftomnibusse und Kraftfahrzeuge den Bestand. Folgende Fahrzeuge sind (Stand 2022) im Historischen Straßenbahnmuseum Leipzig stationiert:

  • 21 historische Triebwagen der Baujahre 1896-1988
  • 17 historische Beiwagen der Baujahre 1896-1988
  • 11 schienengebundene Sonderfahrzeuge
  • 01 Pferdebahnwagen
  • 05 Kraftomnibusse (davon 1 Doppelstockbus)
  • 02 Oberleitungsbusse (Obusse)
  • 01 Taxi
  • 01 Verkehrsfunkwagen

Das Ziel der Bemühungen des Vereins besteht darin, möglichst von jedem Straßenbahnfahrzeug der Leipziger Straßenbahn ein Original zu erhalten. Darüber hinaus wurden einige Fahrzeuge, die einen bedeutenden Umbauzustand repräsentieren in die Sammlung aufgenommen. Bei Kraftomnibussen und Oberleitungsbussen konnten nur ausgewählte Exemplare erhalten werden.

Dieses Ziel konnte in den letzten Jahrzehnten einerseits durch Sicherstellung ausgemusterter Originalfahrzeuge, anderseits aber auch durch die Rückführung - teilweise über Jahrzehnte - als Gartenlauben genutzter ehemaliger Straßenbahnwagen realisiert werden.

Beispielhaft dafür ist der Triebwagen 349 der GLSt, Baujahr 1897. Dieses Fahrzeug wurde bis 1926 im Liniendienst eingesetzt und danach als Gartenlaube in Markkleeberg-West aufgestellt. Im November 1987 erfolgte die Rückführung, heute präsentiert sich das Fahrzeug wieder im alten Glanz.

Einige Fahrzeuge kurz vorgestellt
Im Folgenden werden einige Fahrzeuge kurz vorgestellt. Eine vollständige Aufstellung in Wort und Bild finden Sie im neuen Museumskatalog, den Sie auch während den Öffnungstagen im historischen Verkaufswagen sowie online im Museumsladen erwerben können.

Triebwagen 308
Mit Fahrzeugen dieses Typs wurde am 17. April 1896 der elektrische Straßenbahnbetrieb in Leipzig eröffnet.

Typ 10 / Wg. 308 | J. KarkuschkeEin Zeitzeuge schilderte: „Um die zwölfte Stunde, als die Aprilsonne am höchsten am südlichen Himmel stand, symbolisch die Richtung andeutend, von der das blaue Wunder kommen sollte .... Ruhig kam Sie daher, die erste 'Elektrische'. Bald folgten zwei weitere Wagen. Sie trugen die Wagennummern 201, 202 und 203. Den Vorderperron des ersten, festlich geschmückten Wagen, bestieg der Oberbürgermeister...“

Unser historischer Wagen 308 war zwar noch nicht am Eröffnungstag mit dabei, wurde aber einige Monate später im Dezember 1896 in Dienst gestellt. Nach der Außerdienstsstellung wurde er zusammen mit seinem „roten“ Bruder, dem Triebwagen 64 der LESt bereits 1924 für museale Zwecke sichergestellt.

Durch das besondere Engagement weitsichtiger Straßenbahner entging
er 1947 der drohenden Verschrottung, da er nach Meinung der damaligen
Obrigkeit einen „kapitalistischen Zeitzeugen“ darstellte.

Heute ist er der älteste mit Originalausrüstung versehene, betriebsfähige Straßenbahnwagen auf dem europäischen Festland.

Technische und museale Details
Typ: 10
Nummernreihe: 201-335
Inbetriebnahme: 21. Dezember 1896
Hersteller: AG für Eisenbahn-Wagenbau, Breslau
Elektrische Ausrüstung: UEG (Union Elektrizitäts-Gesellschaft)
Fahrschalter: 2 x K4
Motoren: GE1200, 1 x 22 kW
Bremsen: Druckluftbremse (Achskompressor), Handbremse
Sitzplätze: 20
Stehplätze: 14
Länge über Kupplung (LüK): 8.400 mm
Achsstand: 1.800 mm
Gewicht: 7,7 t
Als historischer Wagen erhalten seit: 1924
Triebwagen 349
Typ 11 / TW 349 | R.-R. ScholzeTriebwagen 349, Typ 11, „Vierfenstriger Breslauer/Hamburger Motorwagen”
 
Der historische Triebwagen 349 der „Großen Leipziger Straßenbahn“ (GLSt) wurde 1897 in Dienst gestellt und von der AG „Historische Nahverkehrsmittel Leipzig e. V. originalgetreu restauriert. Wagen 349 gehört in eine Reihe von 80 Triebwagen, welche in den Jahren 1897 bis 1899 beschafft wurden.

Vier große rahmenlose Bogenfenster boten ein zeitgemäßes modernes Aussehen. Die einmotorige elektrische Ausrüstung und die völlig offenen Plattformen wurden jedoch fast unverändert von den Wagen der Vorgängerbauart der GLSt-Erstausstattung übernommen.

Die „Breslauer AG für Eisenbahn-Wagenbau” und die „Hamburger Waggonfabrik Falkenried“ lieferten je 40 fast baugleiche Wagen, die unter der gemeinsamen Nummernreihe 336 - 415 in den Wagenpark der GLSt eingereiht wurden.

Beim Brand des Straßenbahnhofs Paunsdorf am 23. Juni 1920 wurden 12 Fahrzeuge vernichtet. Die verbliebenen erhielten die Nummernreihe 1010 - 1077, einige den elfenbeinfarbigen Anstrich. 1925/26 erhielten sechs Wagen eine verbesserte elektrische Ausrüstung und geschlossene Plattformen. Das Ergebnis dieser Modernisierung befriedigte im Betriebseinsatz nicht, sodass weitere Umbauten unterblieben. Alle 60 nicht umgebauten Wagen wurden nach 1926 abgestellt, bis 1934 verschrottet oder als Gartenlauben abgegeben. Zwei wurden noch bis 1935 als Arbeitswagen genutzt.

Eine der Lauben wurde 1987 von uns in Markkleeberg-West geborgen. Aus ihr entstand der historische Triebwagen 349.

Technische und museale Details
Typ: 11
Nummernreihe: 336-375
Inbetriebnahme: 1897
Hersteller: AG für Eisenbahn-Wagenbau, Breslau
Elektrische Ausrüstung: AEG/LEW
Fahrschalter: 2 x K4u
Motoren: EM30/600, 1 x 30 kW
Bremsen: Druckluftbremse (Achskompressor), Handbremse
Sitzplätze: 20
Stehplätze: 14
Länge über Kupplung (LüK): 8.500 mm
Achsstand: 1.800 mm
Gewicht: 8,24 t
Inbetriebnahme als historischer Wagen: 2010
Triebwagen 1464
Typ 22s / Wg. 1464 | VereinsarchivDas Fahrzeug gehört zu einer Serie von 200 Triebwagen, die 1925 in Dienst gestellt wurden. Wegen der über die Plattformen heruntergezogenen Oberlichtdächer, welche an die Bauart amerikanischer Schnellzugwagen erinnerten, erhielten die Wagen den Spitznamen Pullmanwagen. Diese Bezeichnung hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Im Laufe der Jahre wurden die Pullmanwagen umgebaut und modernisiert.

Unser Wagen erhielt im Jahr 1965 eine stärkere elektrische Ausrüstung, der ehemals hölzerne Wagenkasten wurde in Stahlbauweise neu aufgebaut. Das Fahrgestell und das charakteristische Dach blieben jedoch erhalten. 1972 erfolgte eine Anpassung, welche die Behängung mit moderneren Beiwagen (Reko- und Gothabeiwagen) ermöglichte. In dieser Form wurde der Wagen bis 1987 im Personenverkehr eingesetzt.

Technische und museale Details
Typ: 22s
Nummernreihe: 1412-1468 (nicht durchgängig)
Inbetriebnahme: 3. September 1925
Umbau: 3. Februar 1972
Hersteller: Dessauer Waggonbaufabrik AG
Elektrische Ausrüstung: LEW
Fahrschalter: StNFB1
Motoren: EM60/600, 2 x 60 kW
Bremsen: E-Bremse, Schienenbremse, Handbremse
Sitzplätze: 20
Stehplätze: 66
Länge über Kupplung (LüK): 10.300 mm
Achsstand: 2.800 mm
Gewicht: 13,5 t
Abstellung: 1992 (als Arbeitswagen 5046IV)
Inbetriebnahme als historischer Wagen: 29. Juli 1995
Triebwagen 1206
Typ 32 / Wg. 1206 | R.-R. ScholzeDieses Fahrzeug gehört zu einer Serie von insgesamt 120 Wagen, die zwischen 1961 und 1967 gebaut wurden. Der Wagentyp wurde von der Waggonfabrik Gotha entwickelt und lehnt sich an Fahrzeuge westdeutscher Verkehrsbetriebe an.

Ursprünglich wurden die ersten Wagen dieses Typs noch mit einem Schaffner besetzt, der an der hinteren Tür einen Sitzplatz mit Verkaufstisch besaß. Die bar zahlenden Fahrgäste sollten im so genannten Fahrgastfluss an der hinteren Tür einsteigen und in der Mitte wieder aussteigen. Die vordere kleine Tür war für Zeitkarteninhaber vorgesehen, die der Fahrer kontrollierte. Die Schaffnerplätze sind nur kurzzeitig in den ersten 10 Wagen benutzt worden, danach erfolgte der Einbau von Zahlboxen.

Allerdings erwiesen sich die Wagen als zu klein, so dass ab 1962 ein Beiwagen angehängt wurde. In dieser Form verkehrten die Wagen bis 1991.

Technische und museale Details
Typ: 32
Bauart: G 4
Nummernreihe: 1101-1220
Inbetriebnahme: 8. März 1967
Hersteller: VEB Waggonbau Gotha
Elektrische Ausrüstung: LEW
Fahrschalter: StNFB4
Motoren: EM60/600, 2 x 60 kW
Bremsen: E-Bremse, Schienenbremse, Handbremse
Sitzplätze: 35
Stehplätze: 143
Länge über Kupplung (LüK): 21.705 mm
Achsstand: 2 x 3.200 mm
Gewicht: 21,5 t
Abstellung: 1992 (als Arbeitswagen 5006V)
Inbetriebnahme als historischer Wagen: 27. April 1996
Triebwagen 1308
Typ 34 / Wg. 1308 | G. SattlerDer Triebwagen 1308 ist eines der jüngeren Fahrzeug unserer Sammlung. Der Wagen wurde 1976 zusammen mit 7 weiteren Fahrzeugen dieses Typs in Dienst gestellt. Auffällig war damals die neue Farbgebung der Wagen (2 x elfenbeinfarbig, 2 x blau/elfenbeinfarbige, 4 x orange/elfenbeinfarbig).

Die Fahrzeuge waren im Straßenbahnhof Paunsdorf beheimatet und kamen vor allem auf den Linien 2, 6, 13E (später 33) und zur Messe auf der 43 zum Einsatz. Im Jahre 1984 erfolgte im Zuge der Typenbereinigung ein Verkauf der Fahrzeuge nach Berlin, wo eine große Anzahl gleichartiger - zwischenzeitlich modernisierte - Fahrzeuge noch heute im Einsatz stehen.

Durch das Engagement einiger Straßenbahnfreunde konnte das Fahrzeug im Jahr 1997 zurück erworben werden und fand durch die Mithilfe der Stadtwerke Leipzig zunächst sein Domizil im Heizwerk Südost. Seit November 2003 gehört das Fahrzeug zur Fahrzeugsammlung. Am 1. Oktober 2005 erfolgte die Einweihungsfahrt.

Technische und museale Details
Typ: 34
Bauart: KT4D
Nummernreihe: 1301-1308
Inbetriebnahme: April 1976
Hersteller: ČKD Praha
Elektrische Ausrüstung: ČKD Trakce
Steuerung: UB13
Motoren: TE022H, 4 x 43 kW
Bremsen: E-Bremse, Schienenbremse, Federspeichenbremse
Sitzplätze: 38
Stehplätze: 133
Länge über Kupplung (LüK): 19.234 mm
Achsstand: 1.900 mm
Gewicht: 21 t
Ausmusterung und Verkauf: 1984 (nach Berlin)
Rückführung: 1997 (BVG 9320)
Inbetriebnahme als historischer Wagen: 1. Oktober 2005
© 2022 | Arbeitsgemeinschaft „Historische Nahverkehrsmittel Leipzig“ e. V.
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