Seit 125 Jahren fährt die Straßenbahn in Leipzig elektrisch.

Am 17. April 1896, wurde der elektrische Straßenbahnbetrieb in Leipzig auf der Strecke Connewitz – Gohlis eröffnet. Leipzig war damit die 31. Stadt im Deutschen Reich mit einer elektrischen Straßenbahn.

Bis dato verkehrten in Leipzig nur Straßenbahnen, die von Pferden gezogen wurden; Leipzig hatte am 16. Mai 1872 eine Pferdebahn eröffnet.

Im Gegensatz zur Pferdebahn, bei der Leipzig zu den ersten vier Städten gehörte, ließ sich Leipzig bei der Einführung des elektrischen Betriebes Zeit. Andere, wesentlich kleinere Städte im Umkreis hatten da schon die Vorzüge der neuen Technik erkannt, wie z. B. Halle, Gera, Plauen, Zwickau oder sogar Altenburg. Auch in den beiden anderen sächsischen Großstädten Chemnitz und Dresden verkehrten schon früher als in Leipzig elektrische Straßenbahnen.

Nach entsprechenden Planungsarbeiten, dem Ausräumen von Bedenken und der Einholung behördlicher Genehmigungen war es schließlich aber auch in Leipzig soweit. Da zu dieser Zeit die Einrichtung und der Betrieb von Straßenbahnen gewinnbringend waren, hatten sich in Leipzig gleich zwei Gesellschaften etabliert:

Die Große Leipziger Straßenbahn (GLSt) betrieb seit 1. Januar 1895 das bisherige, rd. 46 km lange Pferdebahnnetz, um dieses auf elektrischen Betrieb umzustellen. Im November 1895 waren die Vorbereitungsarbeiten soweit gediehen, dass mit der Montage der Wandrosetten begonnen werden konnte. Am 2. Januar 1896 begann der Fahrdrahtzug. In der Nacht vom 29. zum 30. März 1896 wurde die Fahrleitung auf der Strecke erstmals unter Spannung gesetzt. Anfang April begannen dann die Probefahrten einschließlich der Fahrerausbildung und am 17. April 1896 konnte schließlich die feierliche Eröffnung stattfinden.

Ausgeführt wurden die Elektrifizierung und die Fahrzeugausrüstung von der „Union Elektricitäts-Gesellschaft (UEG). Für die Betriebsaufnahme hatte die GLSt 135 Triebwagen bestellt, deren Lieferung sich allerdings bis in das Folgejahr hinzog. Wegen der Lackierung ihrer Fahrzeuge nannte man die GLSt umgangssprachlich die „Blaue“. Als Beiwagen wurden ehemalige Pferdebahnwagen verwendet. Auch die Betriebshöfe der Pferdebahn in Reudnitz, Plagwitz, Gohlis, Eutritzsch und Connewitz wurden weiter genutzt und für den elektrischen Betrieb umgebaut. Von den acht Pferdebahnlinien waren zum Jahresende 1896 drei auf elektrischen Betrieb umgestellt; die Übrigen folgten bis 17. April 1897.

Die zweite Gesellschaft war die Leipziger Elektrische Straßenbahn (LESt). Diese musste ein völlig neues Netz errichten – eine gemeinsame Mitbenutzung von Strecken der GLSt war anfangs nur auf einer Länge von maximal 400 m erlaubt. Dies hatte der Rat der Stadt Leipzig genauso durchgesetzt, wie die gleiche Spurweite der Gleise und ein kompatibles Stromabnehmersystem.

Als elektrischer Ausrüster trat hier die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) auf. Der Fahrzeugbestand im Eröffnungsjahr betrug 70 Trieb- und 50 Beiwagen – seinerzeit als „Motorwagen“ und „Anhängewagen“ bezeichnet. Aus der roten Lackierung resultierte auch bei der LESt die passende Bezeichnung: die „Rote“.

Innerhalb eines Jahres hatte die LESt 41,7 km Gleise verlegt, außerdem musste sie einen kompletten neuen Betriebshof – Wittenberger Straße – errichten. Dabei geriet sie im Wettlauf um die Streckeneröffnung etwas ins Hintertreffen, so dass sie erst am 20. Mai 1896 ihren Betrieb eröffnen konnte. Zum Ende des Jahres 1896 waren auf dem zu 50% eingleisigen Netz der LESt sechs Linien unterwegs.

Die Großstadt Leipzig, die im Jahr 1896 406.500 Einwohner zählte, verfügte damit über ein leistungsfähiges und modernes Verkehrssystem, das in den Folgejahren entsprechend der Stadtentwicklung kontinuierlich ausgebaut wurde.

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