von Jens Kopperschläger
Für mich ist
„ER“
der heimliche kleine Bruder des nunmehr schon Kult gewordenen Ampelmännchens,
um es einmal mit unserer neuzeitlicher Sprache auszudrücken. Sie wissen nicht,
wen ich meine? Erinnern Sie sich ganz einfach an die Zeit, als man das
Bewusstsein der Fahrgäste zur kollektiven Fahrkartenkontrolle wecken wollte,
und dieses urkomische und vielleicht DDR-typische Männlein entwarf - oder stand
doch der HB-Mann Pate - wer weiß. Jedenfalls - ICH bezahle, DU bezahlst, - und
ER? - spart
auf ein Auto wurde oft ironisch ergänzt. Aber nun der Reihe nach. Als vor einem
Jahr der historische Tatrazug eingeweiht werden sollte, wurden in aller Eile die
noch fehlende Beschilderung ergänzt. Dabei sollte „ER“ natürlich nicht
fehlen, denn die Tatrawagen wurden 1969 mit Zahlboxen ausgerüstet. Daher wurde
„ER“ mittels Computertechnik aus der Chronik im Format A5 auf selbstklebende
Folie reproduziert. Eine Herstellung in der Originalgröße ließ die Qualität
der Vorlage leider nicht zu, und das Original? – keiner weiss so richtig wer
dieses beigesteuert hat, unser Vereinsfreund Gunnar Sattler besaß jedenfalls
noch ein stark beschädigtes Original, welches nun für die Reinkarnation
unseres kleinen Freundes herhalten musste. Während „ER“ sich selbst durch
allerlei Computertricks schnell wieder auf die Füße stellen ließ, bereitete
die Schrift schon einige Probleme, sie ist einfach zu verwaschen, insbesondere
das Kleingedruckte. Allerdings besitzen die Schilder „Mit Zahlbox, ohne
Schaffner“ und ein Großteil der Linienschilder, sowie Teile der
Gelenkzugbeschriftung eine weitgehend identische Schrift, so dass nunmehr ein
kompletter Schriftsatz im Computer erstellt wurde. Allerdings weichen bei
verschiedenen Schildern einige Buchstaben ab, dieses wurde im Schriftsatz berücksichtigt.
Dieser Schriftsatz ermöglicht es in Zukunft, beliebige Linienschilder der
60ziger und 70ziger Jahre mit geringem Aufwand originalgetreuer herzustellen.
Und „ER“? - er kann in voller Größe wieder mitfahren seit dem 25.11.2000,
sobald sein Zug ausrückt und das passiert in der nächsten Saison hoffentlich!
Bei den für unsere Zubringerlinie „29E“ hergestellten
Linienschildern fand eine vom Charakter her ähnliche Computerschrift
Verwendung. Vergleichen Sie einmal, und Sie werden die deutlichen Unterschiede
entdecken (Mein Tipp die Striche vom „ö“, oder auch das kleine „t“).
Und damit sind wir schon mitten beim eigentlichen Thema meines Betrages: „Quo
Vadis“ Beschriftungen an den historischen Wagen. Wie Sie vielleicht wissen,
wurden früher die Beschriftungen mittels sogenannter Nadelstichschablonen in
Handarbeit hergestellt. Die Beschriftung einiger Wagen wurden in den letzten
Jahrzehnten originalgetreu mit diesem Verfahren hergestellt. Die dazu nötigen
Schriftvorlagen wurden auf der Basis alter Fotos im klassischen Verfahren mit
Tusche, von einem unserer langjährigen Vereinsmitglieder erstellt. Vor einigen
Jahren wurde nun begonnen diese Schriften mittels Computertechnik aus
selbstklebender Folie herzustellen, die Schildermalerei der LVB verfügt über
eine entsprechende Anlage. Allerdings führt das Einlesen der meist schlechten
Kopie dieser Pergamentrollen (die Originale wurden leider nicht zur Verfügung
gestellt!!) und die anschließende Aufbereitung zu erheblichen Qualitätsverlusten,
so dass die Schrift quasi am Computer nochmals neu erarbeitet werden musste.
Eine gebotene Vereinfachung des Verfahrens scheiterte am konservativ untersetzten
Widerspruch eines Beteiligten. Anfang des Jahres 2000 gelang es immerhin einen
Großteil der Originalschriftvorlagen und -entwürfe, die in unendlicher Fleißarbeit
im Auftrag des Vereines bzw. der LVB hergestellt wurden, vor ihrer möglicherweise
endgültigen Vernichtung im Papiercontainer durch kopieren in den Computer zu
retten. Darunter z.B. schon Entwürfe für die Beschilderung des Wagens vom Typ
23.
Allerdings befriedigt die momentane Methodik mittels Klebefolie nicht ganz. Und
so wurde nach einem Weg gesucht, die Möglichkeiten der modernen Computertechnik
mit den althergebrachten Methoden in Einklang zu bringen. Das erste Ergebnis
kann man heute am Triebwagen 500
an den Stirnschildern besichtigen. Noch nicht ganz perfekt – zugegeben,
es gab die eine oder andere kleine Panne, aber schon besser als die
Stirnschilder an der 20 oder 809 - und vor allem mit originalgetreuer Schrift
aus echter Lackfarbe! Der Trick besteht einfach darin, ein Negativ aus einer
speziellen Klebefolie herzustellen und diese nach dem Aufkleben auf den Untergrund
wieder mit Farbe auszumahlen. Ein großer Vorteil besteht darin, dass der
Aufwand nur geringfügig höher ist, als bei einer direkten Herstellung aus
Klebefolie. Als nächstes werden folgen: „Mit Zahlbox ohne Schaffner“, ein
Stirnschild für die 20, und die Stirnschilder für die 349. In Zukunft wird es
eine Mischung geben. Klebeschriften dort wo man es nicht so genau sehen kann
(Dachschilder) und Farbschilder an den kritischen Stellen, wobei alle vorhandene
Klebeschriften noch verarbeitet werden sollen.
An dieser Stelle noch eine Bitte: Ich benötige dringend Hinweise zu fehlenden
Beschriftungen oder Fehlern, nicht fertige Fahrzeuge eingeschlossen. Auch der
schwarze Mann ist betroffen. Ja wo überall klebte er den im Tatrawagen?
Sachdienliche Hinweise an
Persönlich oder 0341 2536906 / 0163 2513906 oder an jens.kopperschlaeger@strassenbahnmuseum.de
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